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ReactOS 0.3.0

ReactOS 0.3.0

Die Ablösung für Windows?

"Mir ist kein Fehler bekannt. Es gibt keinen. ReactOS ist perfekt", schwärmte unlängst einer der Entwickler. Die Fan-Gemeinde ist sich sicher, ReactOS wird irgendwann dem Monopolisten den Rang ablaufen.

Rechtzeitig zum 10-jährigen Bestehen erschien Ende August die neue Version 0.3.0 des freien Betriebssystems ReactOS. Grund genug, sich das alternative Betriebssystem näher anzusehen. Was haben die Macher und Mitwirkenden an diesem Projekt bisher erreicht? Stellt es mittlerweile eine ernste Konkurrenz für Windows dar? Antworten zu diesen Fragen und die ersten Eindrücke zur neuen Version sind Inhalt dieses Artikels.

Was ist ReactOS eigentlich?

Stellen Sie sich vor, Sie schalten Ihren PC ein. In der gewohnten Windows-Benutzeroberfläche starten Sie dann den Browser um im Internet zu surfen. Sie öffnen den Mediaplayer um Ihre Musik zu hören. Das alles ist eigentlich nichts besonderes. Wäre da nicht die Tatsache, dass es nicht Microsoft Windows ist, das sich auf Ihrem Bildschirm zeigt.

Der Name ReactOS steht für React Operating System und wird als OpenSource entwickelt. 1996 began das Projekt mit dem Ziel, ein kostenloses Betriebssystem als Alternative zu Windows zu schaffen. Dabei sollte es nicht einfach nur ein neues Betriebssystem sein, sondern ein zu Microsoft Windows Programmen und Treibern kompatibles Betriebssystem. Das heißt, alle Programme und Treiber die für Windows 2000 und XP geschrieben werden, sollen auch unter ReactOS funktionieren. Dabei legen die Macher wert darauf, dass man ihr Werk nicht als Nachbau oder "Abklatsch" von Windows betrachtet - auch wenn die Benutzeroberfläche von ReactOS augenscheinlich in fast allen Teilen dem klassischen Windows-Design (98/2000/ME) entspricht.

Installation

Man sollte ReactOS nicht direkt neben einem Produktivsystem installieren. Selbst der Hersteller rät in der jetzigen Entwicklungsphase davon ab, und empfiehlt stattdessen den Einsatz eines Emulators. Erwähnt seien hier QEMU, VMWare oder Microsofts Virtual PC, welches jetzt als Freeware zu haben ist (wir berichteten). Für diesen Test entschieden wir uns für den Einsatz von Virtual PC.

Hardware-Voraussetzungen
Zur Zeit unterstützt ReactOS nur x86 Prozessor-Architekturen, läuft aber auch auf Intel Pentium x64, Intel Xeon x64, AMD Athlon x64 und AMD Opteron Prozessoren - allerdings nur im 32-bit Modus. Welche Anwendungen und Treiber bereits von ReactOS unterstützt werden, kann man auf der Support-Seite der Projektpage nachlesen. Für einen vollen Zugang zur Website ist eine kostenlose Registrierung notwendig.

Installationsverlauf
Auch die textbasierte Setup-Oberfläche von ReactOS ist der von Windows XP zum Verwechseln ähnlich. Das aktuelle Release 0.3.0 befindet sich noch in der Alpha-Phase, und unterliegt einigen Einschränkungen. Auf diese wird direkt zu Begin der Installation hingewiesen. Nach der Eingabe einiger länderspezifischen Einstellungen muss auf der betreffenden Festplatte ggfs. noch eine Partition erstellt werden. ReactOS verwendet dabei das FAT-Dateisystem.

Nach der Installation startet sich die GUI zum ersten mal, und es meldet sich der Hardware-Wizard um Treiber für gefundene Geräte zu installieren. Wie bei Windows 98 verfügt ReactOS selbst über keine bzw. nur beschränkte Standardtreiber. Man muss die passenden Treiber parat haben. Leider ist die Einbindung von Treibern nicht immer von Erfolg gekrönt.

Alternativ zur Installation auf einem virtuellen Computer sollte noch die Live-CD erwähnt werden. Damit können Sie ohne Installationsaufwand direkt in das Betriebssystem rein schnuppern. Allerdings lies sich diese auf dem Testrechner aus ungeklärten Gründen nicht starten. Andere Live-CDs wie Knoppix (Linux) oder Bart PE (Windows XP) funktionieren auf diesem Testrechner einwandfrei.

Erste Eindrücke

Die Oberfläche, Fenster und viele Dialoge erinnern stark an das klassische Windows-Design. Auch die momentan noch etwas magere Programmauswahl ist wie abgepauscht. Doch das tut unserer Ansicht nach der Sache keinen Abbruch. Man findet sich schnell zurecht, alles ist dort zu finden, wo man es von Windows her kennt. Und damit wird der Wunsch der Macher deutlich: Potentiellen Umsteigern den Wechsel zu erleichtern. Die Programmierer betreiben hier übrigens keinen Diebstahl indem sie Windows-Technik einfach übernehmen. Sie programmieren sie nach, ohne dabei das Copyright zu verletzen. Das betrifft vor allem die Windows-Schnittstellen. Das Rad wird also sprichwörtlich neu erfunden.

Bevor man produktiv mit einem System arbeiten kann, muss es zuvor eingerichtet werden. Vor allem muss eine korrekte Einbindung von Hardware-Komponenten und Peripheriegeräten gewährleistet sein. Dazu ist ReactOS ebenfalls mit einer Systemsteuerung ausgestattet. Teilweise jedoch stehen in den Konfigurationsdialogen noch Dummy-Texte statt echte Informationen. Schwerwiegender ist die Tatsache, dass einige Schaltflächen (wie z.B. der Gerätemanager) noch ohne Funktion sind. So ist keine Systemdiagnose möglich, falls sich ein Treiber nicht einbinden lässt, oder eine Systemkomponente Ärger macht.

ReactOS hat von Haus aus nicht gerade eine üppige Programmausstattung vorzuweisen. Da sich viele Windows-Programme auch auf ReactOS installieren lassen sollen, kann man diese Schwäche vernachlässigen. Auch in diesem Betriebssystem gibt es ein Startmenü, in dem das sich die Verknüpfungen installierter Anwendungen einbetten.

Die Bedienung der GUI ist unkompliziert und die testweise Installation einiger Windows-Programme konnte problemlos durchgeführt werden. Leider lies sich die Netzwerkkomponente nicht einrichten, weshalb auch kein Internetzugriff möglich war.

Wertung

Installation  65%
Systemwerkzeuge  60%
Funktionsvielfalt  70%
Bedienung  80%
Handbuch/Hilfe  60%

Gesamt  67%


Hinweise zur Wertung: Das Kriterium "Installation" beinhaltet die Treibereinbindung. Da diese momentan noch Probleme bereitet gab es hier einen großen Abzug. Ebenso wie beim Kriterium "Systemwerkzeuge", bei der noch nicht mal der Gerätemanager funktioniert. Ein Handbuch in der Form ist noch nicht vorhanden. Lediglich einige Anleitungen und FAQs, diese aber auch nur in englischer Sprache. Deshalb auch im Bereich "Handbuch/Hilfe" eine schlechte Wertung.

Fazit

Sky42 Testsiegel 3/5PDie Macher von ReactOS haben der Computerwelt gezeigt, was alles möglich ist. Dass ein alternatives kostenloses Betriebssystem zu Windows kein Wunschdenken mehr ist. Die Programmierer haben Großes erreicht in den bisherigen 10 Jahren Entwicklungszeit. Auch das Ziel von ReactOS wird deutlich - ein alternatives Betriebssystem mit eigenen Schnittstellen, die aber voll kompatibel mit denen von Windows NT/XP sind.

Aber der Eindruck ist noch etwas getrübt. Das Betriebssystem wirkt noch sehr unfertig. Teilweise fehlen wichtige Schaltfläche bzw. diese sind noch ohne Funktion. Die Treiberkompatibilität hat sich zwar schon sehr verbessert, aber das festgesteckte Ziel ist noch nicht erreicht. Zu Testzwecken, um sich einen ersten Eindruck von dem Betriebssystem zu verschaffen, ist diese Version geeignet. Von einer starken Konkurrenz zu Windows, oder gar von einer Ablösung kann momentan aber noch nicht die Rede sein. Der bisherige Entwicklungsstand macht einen produktiven Einsatz fast unmöglich. Dennoch ist ReactOS ein Hoffnungsträger für viele. Die bisherigen Entwicklungsfortschritte zumindest lassen hoffen. (bba)


Weblinks


 Re: ReactOS 0.3.0

Geschrieben am: 10.01.2007 09:27  Aktualisiert: 10.01.2007 09:27
"Mir ist kein Fehler bekannt. Es gibt keinen. ReactOS ist perfekt", schwärmte unlängst einer der Entwickler.

Kann ich bitte den Link zu der Webseite haben, wo jemand diese Äußerung von sich gegeben hat ?

Das erweckt ja den Eindruck, ReactOS sei "gebrauchsfertig" ...

 Re: ReactOS 0.3.0

Geschrieben am: 12.05.2007 21:55  Aktualisiert: 12.05.2007 21:55
Zitat:
Kann ich bitte den Link zu der Webseite haben, wo jemand diese Äußerung von sich gegeben hat ?

Der zitierte Satz stammt aus einer Zitatebox, die auf der ReactOS-Website nach dem Zufallsprinzip verschiedene solcher Zitate der Entwickler wiedergibt. Du findest es unten rechts auf der Seite ("Entwicklerzitate").

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