Das neue (K)Ubuntu fischt unter den Windowsusern nach neuen Anhängern. Da drängt sich uns die Frage auf: Taugt Linux mittlerweile als Desktopsystem? Was erwartet einen Umsteiger und mit welchen Problemen wird er konfrontiert? Das Ubuntu-Team verspricht viel, werden sie das auch einhalten können? In unserem Einsteigertest werden wir Vorkenntnisse nach Möglichkeit beiseite schieben und durch die Augen eines Umsteigers gucken.
Die InstallationUnser Einsteigerselbstversuch beginnt mit dem Boot von CD. Das Live-System startet ohne Probleme und sogar WLAN lässt sich verwenden. Mit einem Klick starten wir die Installationsroutine.
Zunächst wird der Benutzer mit Fragen zum Standort konfrontiert. Nach den Spracheinstellungen und der Lokalisierung kommt der einzige haarige Teil der Installation: die Partitionierung (Schritt 4 von 6). An dieser Stelle entsteht eine nicht unerhebliche Wartezeit, da das System nun die Festplatten überprüft. Schade, dass der Benutzer hierüber nicht informiert wird, da der Eindruck entsteht, dass das System nicht mehr reagiert.
Ist dieser Vorgang abgeschlossen, hat man die Wahl zwischen verschiedenen Arten der Partitionierung. Am unkritischsten dürfte dieser Schritt sein, wenn man sich entschieden hat, die ganze Festplatte für Kubuntu zu verwenden. Bei den meisten Umsteigern dürfte es sich aber um eine parallele Installation handeln.
Bevorzugt man die parallele Installation, so empfiehlt es sich, vor dem Start der Installation für entsprechend freien Platz auf der Festplatte zu sorgen - z.B. durch das Löschen einer Partition.
Dann kann die Installation mit dem Punkt "Geführt - den größten freien Speicherbereich benutzen" fortgesetzt werden. Der Profi wird die manuelle Partitionierung vorziehen.
Dann beginnt die eigentliche Installation, Partitionen werden eingerichtet und Systemdateien kopiert. Nach einem Neustart bootet das frisch installierte Linux und präsentiert dann die Anmeldemaske.
Als Bootmenü wurde Grub eingerichtet, bei dem auch die bereits installierten Betriebssysteme aufgeführt werden. Standardmäßig wird aber nun das neue Kubuntu gebootet. Möchte man das ändern, wird man sofort mit den Eigenheiten eines Linuxsystems konfrontiert. Für Änderungen am Bootmenü muss die Datei /boot/grub/menu.lst editiert werden. Dazu muss der Editor via "sudo" als Systemverwalter gestartet werden. Achtung! Fehler können dazu führen, dass Ihr System nicht mehr startet.
Der erste StartDer erste Start dauert recht lange, während der Fortschrittsbalken hängen bleibt und dann ein Neustart (reboot) stattfindet. Informationen darüber, was passiert, erhält der Benutzer mal wieder nicht. Erst ein Blick auf die Konsole (erst Alt+F1 für normalen Bootvorgang, dann Alt+F8) entpuppt, dass die Partitionen überprüft werden und anschließend ein Neustart initiiert wird.

Software wird über Adept installiert.
Nach der Anmeldung startet die grafische Benutzeroberfläche (GUI) KDE. Der WLAN Chipsatz wurde korrekt erkannt und wir können über den KnetworkManager eine Verbindung zum WLAN Access Point herstellen und auf das Internet zugreifen. Der "Adept Manager" meldet, dass es aktualisierte Pakete gibt. Beim Start des Adepten wird man zum ersten Mal mit der Nachfrage nach dem Administrator (root) Passwort konfrontiert.
An der Stelle fällt uns ein: "wurde nicht versprochen, dass Windows Konten und Einstellungen übernommen werden?" Davon kann keine Rede sein, es wurden nicht einmal die Windowspartitionen gemountet. Wer also an seine Dateien möchte, muss sich mit dem Mount-Befehl auseinandersetzen.
Der Anwender TestAuf den ersten Blick sind die wichtigsten Programme schon mit installiert. Aber man möchte ja mit seiner Lieblingssoftware arbeiten, wenn es denn geht, z.B. dem Firefox. Diesen muss man nachinstallieren.

Mit einem Klick läuft auch MP3.
Doch am besten mit Musik im Hintergrund. Also über das Netzwerk auf die MP3 Sammlung zugegriffen und die Auswahl mit Amarok wiedergeben. Da stoßen wir schon auf den ersten Widerstand. Wir werden aufgefordert, den "MP3 Support" zu installieren *klick*. Automatisiert werden, bei bestehender Internetverbindung, die benötigten Pakete installiert. Nach einem Neustart von Amarok spielt dieser ohne zu klagen die MP3 Datei ab.
Als PIM (persönlicher Informationsmanager) dient das installierte Kontact, welches funktionell mit Outlook zu vergleichen ist. Es bietet neben einen E-Mail Client noch Kontakt-, Aufgaben- und Notizverarbeitung und kann als RSS Reader die neusten News anzeigen.

Kontact ersetzt Outlook.
Natürlich lassen sich dafür auch andere Programme installieren, wie z.B. Thunderbird und Sunbird.
OpenOffice 2.2 deckt den gesamten Office-Bereich ab und sollte auch dem kleinen Büro vollends genügen. Der ambitionierte Heimanwender findet letztlich alles, was er braucht.
Der nachträglich angeschlossene USB-Scanner Canon Lide 35 wird adhoc erkannt und von dem Scanprogramm Kooka unterstützt. Auch die anderen Programme, die bereits beiliegen, geben einen insgesamt runden Eindruck ab.
Die beigefügte Software deckt aber nicht alle Anwendungen ab. Damit stößt man als Newbee auf das erste Problem: wie heißt das Programm, das die Funktion XY liefert?
Da hilft nur das wichtigste Werkzeug für die Arbeit mit Linux weiter: Google (oder andere Suchmaschinen). So findet man z.B. heraus, dass "The Gimp" gerne für die Bildbearbeitung empfohlen wird.
Wer gezielt eine Alternative zu seinem bisherigen Lieblingsprogramm unter Windows sucht, kann sich auf der Internetseite
http://www.angelfire.com/linux/liste/start.html eine Gegenüberstellung ansehen. Die Aufstellung ist zwar nicht mehr die aktuellste, aber trotzdem eine hervorragende Hilfe.
Für den Fall, dass es für ein Windows Programm keinen Ersatz unter Linux gibt, können Sie mit Wine ein Windowssystem emulieren und das Programm dort installieren. Beachten Sie bitte, dass diese Vorgehensweise nicht mit jeder Software gelingt.
MultimediaDie Multimedia-Unterstützung ist unter Linux längst nicht mehr das Abenteuer, das es lange Zeit war. Wie man unter Kubuntu selbst kopiergeschützte DVDs abspielt, können Sie auf der Seite
https://help.ubuntu.com/community/RestrictedFormats nachlesen. Die notwendigen Codecs lassen sich über den Adepten installieren.
Im Notebook BetriebDer Betrieb von Linux auf einem Notebook stellt höhere Ansprüche, als es bei einem reinen Desktopsystem der Fall ist. Da wäre zum einen das Energiemanagement, an das hohe Ansprüche gestellt werden: Werden im Akku-Betrieb die Verbraucher (GPU und CPU) herab geregelt? Funktioniert Suspend to RAM und Suspend to Disc? Wird die Auflösung von 1280x800 unterstützt? Werden die notebookspezifischen Funktionstasten unterstützt?
Auf unserem Testsystem, ein ASUS A6V (1,6 GHz Centrino, 1024 MB RAM, ATI Mobility RADEON X700 - 128MB), überraschte uns das neue Kubuntu mit einer umfangreichen Unterstützung. Doch nicht alles funktionierte von Anfang an.
Während das Energiemanagement auf Anhieb seinen Dienst aufgenommen hat, war es uns nicht möglich, die Auflösung von 1024x 786 auf 1280x800 umzustellen, obwohl diese Option zur Auswahl stand. Unsere Versuche den ATI Treiber zu installieren schlugen zunächst fehl und sind auch alles andere als einsteigerfreundlich. Während der Recherchen stießen wir auf das Envy Projekt von Alberto Milone (
http://albertomilone.com/nvidia_scripts1.html).
Sein Programm nimmt dem Anwender die Installation des richtigen Treibers ab. Anschließend läuft das Notebook mit der richtigen Auflösung inklusive 3D-Unterstützung.
Fazit
(K)ubuntu 7.04 zeigt einen Weg in Richtung Windows-Alternative. In unserem kleinen Test gelang uns nicht alles auf Anhieb und kleinere Fehler warfen uns zurück. Erst mit der dritten Installation konnten wir unseren Anwendertest durchführen. Fairer Weise müssen wir zugeben, dass Fehler unsererseits zum totalen Systemausfall geführt haben. Aber genau das passiert einem Anfänger genauso schnell.
Es ist definitiv nicht damit getan "mal eben schnell" Kubuntu zu installieren. Der Anfänger sollte Zeit und Ehrgeiz mitbringen, dann aber gelingt ihm sicher der Umstieg. Mit der Zeit findet man sich immer besser mit den Systemeigenschaften zurecht und stellt fest, dass viele Problemstellungen bereits im Internet abgehandelt wurden.
Das System ist ohne weiteres dazu geeignet, die meisten Anforderungen eines Heim-PCs zu erfüllen, wenn man die Thematik "Spiele unter Linux" erstmal Außen vor lässt. Im Büro-Alltag gibt es leider die eine oder andere Klippe, die es noch zu umschiffen gibt.
Wir meinen: Linux kommt als Desktop Betriebssystem immer mehr in Betracht und ein "über den Tellerrand gucken" lohnt sich allemal. (hri)